Was möchtest du zum Frühstück, mein Schatz?" "Einmal Sponge Bob, und für die Schule ´ne Weltraumrakete, Mama." Hilfe! Wenn sich dieser Trend durchsetzt, wird der frühe Morgen zur Hölle. Eltern werden mit geschwollenen Augen und Fingern zu unchristlicher Uhrzeit Schinkennasen stanzen und Käsehaare raspeln. Und das nur, weil der Nachwuchs schreit: "Alle Kinder in meiner Klasse haben Nemo-Toasts und Raupen-Sandwiches!"
Wir Eltern werden künftig in der Küche vor völlig neue Probleme gestellt: Das Klavier wird uns von den Gurkenbeinen stürzen, die Karottenfrisur der kleinen Meerjungfrau verrutschen, die Tomatenkrawatte auslaufen. Es ist sicherlich Balsam für die Kinderseele (und ein Riesen-Reibach für die Putzmittel-Industrie), wenn mit dem Essen gespielt werden darf. Aber wer hat gesagt, dass ganz normale Mütter und Väter morgens gerne Äpfel sezieren, Tomaten zerquetschen, Brotleiber klöppeln?
Mark Northeast aus Littlehampton ist angeblich so ein ganz normaler Vater - und Erfinder des "Funky Food". Ein Brite, ausgerechnet, der in der Küche über sich hinauswuchs, weil seinem vierjährigen Sohn Oscar das gemeine Gurkenbrot nicht schmecken wollte. Das Ergebnis ist Kunst und hat auch viel mit Garten zu tun, zumindest mit dessen Produkten; insofern ist es gar nicht überraschend, dass die Innovation aus dem Königreich der Landschaftsarchitektur kommt. Und die königliche Botschaft lautet: Vergesst das bräsige Kartoffelbreigesicht mit Erbsen, vergesst hässliche Hackfleischgebirge mit Bratensoßensee! Filigrane Frühstücksschnitzerei ist das Gebot der Stunde. Die Kleinen werden es lieben. Denn, zugegeben, diese Stullen sind einfach entzückend.
Versuchskind Oscar Northeast jedenfalls, der einst alles Gesunde verschmähte, futtert inzwischen mit Begeisterung Schnittlauchwimpern, Käsefüße und Barthaare aus Rettich, sagt sein Vater, der im wahren Leben Web-Designer ist - oder war? Immerhin schwappte die Funky-Food-Welle in den vergangenen Monaten von der britischen Küste nach Spanien, Frankreich, Asien und Südamerika. Northeast toastet bereits im TV, seine Website funkyfood.com hat bis zu 10 000 Aufrufe pro Tag. Ein Sandwich-Bastelbuch ist geplant, Merchandising-Artikel sind in Arbeit. Jüngere Werke, etwa die Herings-Frauenschenkel in roten Paprika-Pumps, lassen vermuten, dass der Brite den Kundenkreis ausweiten will.
Aber zurück in die Küche zum Praxistest: Während die Eltern sich am Verschnitt satt essen - es gibt viel Verschnitt -, sitzen die Kleinen vor den fertigen Kunstwerken: Aber sie spielen nicht, sie essen auch nicht. Denn mal im Ernst: Selbst wer Würstchen über alles liebt, wird seine Zähne doch nicht in Sponge Bobs Füße schlagen?